Freitag 19. September 2008
Der Wecker läutet um 6:15 Lokalzeit (4:15 Uhr MZ). Leise heben wir unser Gepäck auf den Gang um die beiden Damen nicht zu wecken und packen alles ein.
Pünktlich um 4:52 Uhr MZ fährt der Zug in Tobolsk ein. Jedenfalls erklärt uns die Schaffnerin, dass es sich um Tobolsk handelt. Ein Bahnhofschild sehen wir nicht.
Wir gehen ins Bahnhofsgebäude und ich wechsle die Schuhe, da ich mir gestern offensichtlichein Blase an der Fußsohle gelaufen habe. Tatsächlich geht es mit den Treckingschuhen besser. Wir sehen uns nun das Bahnhofsgebäude genauer an. Außer ein paar Buden für Getränke ist nichts geboten. Keine Internet Terminals – nichts. Das kann ja heute Abend ein Spaß werden, da unser Zug erste um 1:40 Uhr Ortszeit abfährt.
Die Toilette sind eine weitere unangenehme Überraschung: nur Löcher im Boden – ohne Türen. Da kann dich also jeder beim Geschäft beobachten. Super!
Wir suchen die Gepäckaufbewahrung, finden aber nur Schließfächer. Auch gut – aber laut Aufschrift sollen wir pro Schließfach 15 Kopeken als Bezahlung einwerfen. Das kleinste Geld, das wir haben sind Rubelstücke. Außerdem hört sich für uns 15 Kopeken verdammt wenig an. Leider ist niemand da, den wir fragen könnten.
Nach einer Weile kommen zwei Frauen um etwas aus einem Schließfach zu holen und wir hoffen, dass diese uns weiterhelfen können. Bevor wir jedoch fragen können verschwinden sie wieder ohne das Fach geöffnet zu haben. Ein paar Minuten später kommen sie jedoch mit einer uniformierten Frau zurück. Sie hatten die Kombination zum öffnen vergessen!
Die uniformierte Frau erklärt uns nun auch wie das mit den Schließfächern funktioniert: wir müssen ihr Bescheid sagen, wenn wir etwas einschließen wollen, denn inzwischen kostet dieser Service 57,50 Rubel – und nicht mehr 15 Kopeken. Sie schließt dann das Fach ab. Wir können es dann später mit der von uns gewählten Kombination wieder öffnen. Ok, dieses Problem ist also gelöst. Jetzt müssen wir noch die 10 Kilometer bis zur Stadt überwinden. Laut Lonely Planet fährt hier der Bus Linie 4 oder der Minibus (Marschrutka) Nummer 20 zum Kreml von Tobolsk.
Zunächst kommt ein Bus der Linie 4 und wir erkundigen uns beim Fahrer ob dieser zum Kreml fährt. Dieser bedeutet uns jedoch, daß dies die falsche Fahrtrichtung ist. Also steigen wir wieder aus und warten auf den nächsten. Diesmal kommt nach wenigen Minuten ein Marschrutka in die richtige Richtung und wir lassen uns für 10 Rubel zum Kreml bringen.
Neben dem Kreml befinden sich zwei Kathedralen. Einmal die sehr große St. Sofia Kathedrale mit einem hohen Hauptturm und 4 etwas niedrigeren Türmen mit blauen Spitzen und goldenen Sternen verziert. Ähnlich wie wir es schon bei der Kirche in Sergiev Posad gesehen haben. Die zweite mit dem Namen Mariä Schutz und Fürbitte Kathedrale verdient in unseren Augen höchstens die Bezeichnung Kirche oder Kapelle, da sie so klein ist.
Die große Kathedrale ist leider abgesperrt, nur in die kleine können wir hinein. Hier findet gerade ein Gottesdienst oder ein Gebet mit Gesang statt.
Zwischen den beiden Kathedralen befindet sich der Domglockenturm, in der eine ganz besondere Glocke gehangen hat: diese 300 kg schwere Glocke war ursprünglich in Uglitsch gehangen und von dort nach Sibirien ins Exil geschickt worden, nachdem sie mit ihrem Glockenschlag den Tod des Zarensohnes verkündet hatte.