Sonntag 31. Oktober 1999
(zurückgelegte Wegstrecke: 121 km)
Wir stehen schon in aller Herrgottsfrühe - 7:30 Uhr - auf und schaffen es um 9:00 Uhr abfahrtsbereit zu sein.

Die ersten beiden Tage sind rum und es wird Zeit zum Nachtanken.
Den Reifendruck haben wir auf 2 Bar verringert. Dennoch bleibt Norbert schon bald nach Einfahrt in ein Dünengebiet stecken. Wir müssen ihn frei graben. Gegen Mittag bleibt dann Jens mit seinem Landrover oben auf einem Dünenkamm hängen und auch ihn müssen wir frei graben.


Jens bleibt mit seinem Landrover stecken und wir müssen ihn freigraben.
Und das bei vollem Sonnenschein und unbekannten Hitzegraden - Schatten zum Messen der Temperatur steht ja leider nicht zur Verfügung. Kein Wunder, daß uns ziemlich warm wird. Daraufhin verringern wir den Reifendruck erneut auf 1 Bar vorne und 1,5 Bar hinten. Dieter fordert uns auf noch einmal auf Toilette zu gehen, da wir in der nächsten Stunde nach Möglichkeit nicht anhalten sollen.
Wir fahren nun nämlich über offenes Gelände und unmittelbar an der algerischen Grenze entlang und die Algerier reagieren extrem empfindlich auf alle Anzeichen, die sie in irgendeiner Form als Spionage auslegen könnten. Und keiner von uns will hier in der Sahara "verschwinden".

Lagebesprechung: Dieter erklärt uns, wie wir uns an der algerischen Grenze verhalten müssen.
Dank des verringerten Luftdrucks kommen wir auch problemlos durch die weiteren Dünen. Rechts von uns, also bereits in Algerien sehen wir das Gas-Feuer einer Ölquelle. Nach einer Stunde dringen wir wieder östlich in das Dünengebiet ein und sind für die Algerier erst mal außer Sicht.

Der Wind zaubert wunderbare Strukturen in den Sand

bergauf...

... und bergab
Mittagessen ist "bei der Palme" geplant, wie sich Dieter ausdrückt. Wir sind schon ganz gespannt auf diese Palme. als wir dann schließlich davorstehen sind wir doch etwas enttäuscht: Grade mal 2 Meter groß und völlig ohne Stamm steht ein Wedel Palmblätter am Fuße einer Düne. Hier rasten wir wie geplant.
Dieter erklärt uns, daß auf der anderen Seite des Dünenkamms, also nur etwas 100 Meter entfernt die algerische Grenze verläuft.
Nach dem Essen spiele ich mit Moni Backgammon. Immer wieder umkreisen uns große rabenähnliche Vögel. Worauf die wohl warten...
Der weitere Streckenverlauf geht über eine Hochebene. Es sieht aus, wie in einem
Skigebiet in den Alpen, nur daß anstelle von weißen Schnee rötlicher Sand die Hänge bedeckt.
Um halb vier verlassen wir völlig erschöpft den Dünengürtel. Unter einer Akazie halten wir an, um den Reifendruck wieder auf 2,5 Bar zu erhöhen, da nun wieder steiniges Gebiet folgt. Jeder von uns bekommt einen Reifen zugeordnet und dann wird gepumpt. Die Tuareg mit ihrem Benziner haben es da leichter: Sie schrauben einfach eine Zündkerze heraus und schließen einen Schlauch an, mit dem sie den betreffenden Zylinder als Pumpe benutzen können. Daß Sie dabei ein Benzin-Luftgemisch in den Autoreifen pumpen scheint sie nicht weiter zu stören... Wir anderen müssen uns mit den mitgenommenen Luftpumpen begnügen. Da hatten wir es in Botswana mit unserem Mitwagen und der eingebauten batteriebetriebenen Pumpe doch besser dran. Wenn wir damals schon gewußt hätten, um wie viel leichter man mit stark verringertem Luftdruck über eine Sandpiste fahren kann, hätten wir damals sicherlich nie schieben und graben müssen.

Nachdem wir das Dünengebiet verlassen haben, rasten wir im Schatten einer großen Akazie...

... und bringen den Reifendruck wieder auf 2,5 Bar
Nach dem Aufpumpen geht es weiter über eine weite Ebene mit gebrochenen Sandsteinplatten. Wir müssen im Schritt-Tempo fahren, damit uns die scharfkantigen Steinsplitter nicht die Reifen zerschneiden.

Wir müssen im Schritttempo fahren, damit uns die scharfkantigen Splitter die Reifen nicht aufschlitzen
Wir umfahren einen Dünenausläufer und unser GPS signalisiert uns deutlich, daß wir dabei auf algerischem Gelände rangieren. Wenig später sehen wir auch einen Grenzstein, der diese Vermutung bestätigt. Zum Glück ist dieser Dünenausläufer schnell umrundet und wir sind wieder zurück auf libyschem Boden.

Fürs Foto wagen wir einen illegalen Grenzübertritt nach Algerien
Wenig später machen wir am Rande des Dünengebiets Rast. Die Tuaregs beginnen sofort damit Ihr Auto zu zerlegen: unterwegs hatten sie Probleme mit dem Motor, die auf einen Defekt am Vergaser schließen lassen. Außerdem funktioniert eine der Bremsen nicht mehr richtig, da Sand in die Bremstrommel gekommen ist. Sie bearbeiten die Bremstrommel mit einem Vorschlaghammer und bei jedem Schlag kommt ein großer Schwung Sand hervor. Sie zerlegen die Bremstrommel und entfernen den Sand. Anschließend versuchen Sie das Problem am Vergaser zu beheben, haben dabei aber - wie wir am nächsten Tag merken werden - weniger Erfolg.


Schöne Bilder beim Abstecher ins Dünengebiet
Zum Abendessen gibt's heute Gulasch mit Nudeln. Gegen Abend wird es empfindlich kühl. Wir werden ans Lagerfeuer der Tuaregs eingeladen. Diese backen heute Tagelat - ein Brot aus Wasser und Mehl. Es schmeckt ausgezeichnet! Die Tuareg selber essen von diesem Brot nur das weiche Innere, um sich die Zähne nicht an der harten Rinde zu verletzen, denn in der Wüste gibt es keine Zahnärzte.
Nebenbei bekommen wir wieder Tee serviert.
Erst nachdem wir uns verabschiedet haben gönnen sich die Tuareg selber ein Abendessen.