Donnerstag 28. Oktober 1999
(zurückgelegte Wegstrecke: 265 km)
7:40 aufstehen. 9:15 Abfahrt.
Wir fahren immer tiefer in die Wüste hinein. Mittags sind wir in Darj (gesprochen Därsch). Wir essen alle die Kamelsandwiches. Die schmecken "interessant", aber nicht schlecht.


In der Umgebung des Lagers entdecken wir zahlreiche Spuren, die auf ein aktives Nachtleben hindeuten...


... und hier haben wir auch schon einen der Spurenleger

Immer wieder fahren wir Stufen im Gelände hinunter und kommen in immer ältere Gesteinsschichten. Es ist sehr windig und immer wieder ziehen Sandfahnen über die Straße.

Um 14 Uhr erreichen wir unser Tagesziel: Ghadames.

Zunächst fahren wir die Post an, um zu telefonieren und um Briefmarken zu kaufen. Hoffentlich finden wir auch irgendwo Postkarten. Es soll in Libyen nämlich wesentlich einfacher sein Briefmarken zu kaufen, als Postkarten...

Ich telefoniere gute 5 Minuten und bin schon gespannt, was das wohl kosten wird. Ich werde sehr angenehm überrascht: Nur 3 LD (=3 DM). Und die Verbindung war Klasse! Wenn ich das gewußt hätte, hätte ich länger telefoniert...



Auch Briefmarken sind sehr billig: umgerechnet 40 Pfennig für eine Briefmarke. Ich kaufe zwei Sondermarkenbögen fürs Album und 30 einzelne Briefmarken für Postkarten.



Anschließend kaufen wir ausreichend Vorräte um die nächsten vier Tage überbrücken zu können, in denen wir ohne Kontakt zur Zivilisation durch die Wüste fahren werden.


In Darj wird nochmal richtig vollgetankt.


Überall große Propagandatafeln

Nach den Einkäufen wollen wir auf dem Campingplatz von Ghadames unser Lager aufschlagen. Aber welch unangenehme Überraschung: Der Campingplatz ist wegen Umbau geschlossen. Wir hinterlassen bei den Bauarbeitern eine Nachricht für die beiden Tuareg-Guides, mit dem wir uns hier verabredet haben und fahren zum Hotel Ghadames. Hier können wir für 10 LD pro Person im Hof campieren und die Waschgelegenheiten und vor allem auch Duschen benutzen.


In Ghadames ergänzen wir unsere Vorräte durch frisches Gemüse

Nachdem wir uns frisch gemacht haben besichtigen wir die Altstadt von Ghadames. Diese nimmt im Vergleich zu anderen libyschen Altstädten eine Sonderstellung ein: sie ist zwar genau wie alle anderen Altstädte von den Einwohnern verlassen worden, allerdings kehren diese an hohen Feiertagen in diese Wohnungen zurück.


Auf der Ladefläche eines Pickups fahren wir in die Altstadt




Die Wohnungen sind alle noch voll möbliert

Die Wohnungen in der Altstadt sind daher noch vollmöbliert und ausgezeichnet erhalten. Eine dieser Wohnungen können wir für 2 LD pro Person besichtigen.


In der Altstadt von Ghadames



Alt-Ghadames hat eine eigene Quelle die in einem großen Runden Bassin gefaßt wird und deren Wasser mit langen Kanälen quer durch die Altstadt geleitet wird.





Die Stadt ist ein architektonisches Meisterwerk: selbst an den heißesten Tagen, mit Außentemperaturen um die 45 Grad Celsius steigt die Temperatur in der Stadt nicht über 30 Grad. Dies wird durch einen natürlichen Kamineffekt erreicht, der ständig für eine frische Brise sorgt.


Durch die geschickte Architektur sorgt der Kamineffekt immer für Kühlung

Uns ist unklar, warum die Ghadamer diese wunderschöne Altstadt mit tollen Gartenanlagen für moderne Wohnungen aufgeben konnten...




Die Gartenanlagen von Alt-Ghadames







Nach der Führung geht's zurück ins Hotel. Zunächst wollen wir im Hotelrestaurant essen, aber es ist zuviel Betrieb und daher machen wir Spaghetti. Karsten kocht. Er schafft das Unmögliche und läßt die Spaghetti (nicht die Soße) anbrennen. Ich beschließe daher lieber Brot mit Spaghettisoße zu essen, da ich den Geschmack von Angebranntem nicht vertrage.

Danach sitzen wir noch bis spät in die Nacht zusammen. Uns sprechen ein paar Motorradfahren an, die sich uns bei der Tour durch die Wüste gerne anschließen wollen. Dieter lehnt jedoch ab, da er im Vorjahr bereits mit einem Motorradfahrer gereist war und dieser sich beim Dünenspringen das Schlüsselbein gebrochen hatte. Diese Verantwortung will er nicht auf sich nehmen.

Plötzlich tauchen zwei Tuaregs bei uns auf und Dieter begrüßt sie als unsere Guides, die uns ab morgen durch die Wüste führen werden.