Dienstag 26. Oktober 1999
(zurückgelegte Wegstrecke: 180 km)
Um 6:30 weckt Dieter uns auf wir frühstücken alle gemeinsam. Wie am Vortag sind wir um 8:45 fertig zur Abfahrt. 10 Minuten später sind wir bereits an der Grenze. Vor uns ist nicht viel los. Nur ca. 10 Fahrzeuge sind vor uns. Ich steige aus und suche einen Briefkasten, um die Postkarten von gestern einzuwerfen, denn mit den tunesischen Briefmarken kann ich hinter der Grenze nicht mehr viel anfangen. Aber vergeblich: nirgends kann ich einen Briefkasten entdecken. Schließlich frage ich - mit Händen und Füßen - einen der tunesischen Grenzbeamten und dieser weist mir den Weg zur Einreiseseite. Ich bin etwas irritiert, denn wenn man in ein Land einreist kann man ja eigentlich noch keine Postkarten und Briefmarken haben, weshalb also sollte auf der Einreiseseite ein Briefkasten sein. Ich gehe dennoch hinüber und tatsächlich: hier finde ich den gesuchten Briefkasten. Mit Logik hat das allerdings nichts zu tun.

Um 9:30 sind wir bei der tunesischen Grenze fertig und fahren zur libyschen Seite. Hier erwartet uns eine sehr unangenehme Überraschung: Vor uns ist eine schier endlose Autoschlange; alles Fahrzeuge, die nach Libyen wollen. Die müssen schon seit gestern hier auf Ihre Abfertigung gewartet haben. Wir fangen an zu bezweifeln, daß wir das heute bis zur Abfertigung schaffen werden. Aber da taucht plötzlich ein libyscher Grenzbeamter auf und winkt unsere Gruppe und noch ein anderes Geländefahrzeug bis ganz nach vorne, vorbei an allen libyschen und tunesischen Autos. Europäische Touristen werden hier offensichtlich bevorzugt behandelt!

Nun wird es spannend: Wird Moni ohne Ihre grüne Karte nach Libyen einreisen können, oder werden die Libyer sie zurückschicken. Als wir abgefertigt werden sollen verlangt der Beamte von uns prompt die grünen Karten. Norbert, der fließend französisch spricht erklärt dem libyschen Grenzbeamten daraufhin, daß Moni von der libyschen Botschaft keine grüne Karte bekommen habe. Der Grenzbeamte bespricht sich daraufhin mit seinem Vorgesetzten und ... reicht Moni einen Zettel, den sie anstelle der grünen Karte ausfüllen und abgeben soll! Das ging ja viel einfacher als erwartet. Wir sind alle sehr erleichtert. Allerdings ist das Ausfüllen des Zettels leichter gesagt als getan: Der Zettel ist nur in arabischer Schrift beschriftet, so daß Moni sich jeden einzelnen Eintrag von einem libyschen Grenzbeamten in französisch übersetzen lassen muß. So dauert es einige Zeit bis dieser Zettel ausgefüllt ist.

Es ist sehr heiß - über 45 Grad, wie unser Thermometer anzeigt - und wir haben keine Möglichkeit uns irgendwo in den Schatten zu stellen.


Das Carnet de Passage - unsere Autoversicherung für Libyen

Nach 30 Minuten ist auch diese Tortur überwunden und Moni erhält ebenso wie wir anderen Ihren Einreisestempel in den Reisepaß. Nun müssen wir noch durch den Zoll. Dieter und die beiden anderen Fahrer müssen zum Zwangsumtausch - mit absolut beschissenem Kurs - um das Geld für die Leihgebühr für die Autonummern zu bekommen; von unserem Schwarztausch darf ja niemand etwas erfahren. Danach muß er ein beim libyschen Automobilclub ein Carnet de Passage erwerben, damit wir während unseres Aufenthalts in Libyen versichert sind. Wir stellen die Uhren um eine Stunde vor, denn mit dem Grenzübertritt nach Libyen wechseln wir in eine andere Zeitzone.

Danach müssen die Fahrer, Jens, Norbert und Dieter sich bei den Autonummern anstellen.

Da in Libyen fast niemand in der Lage ist die europäischen Schriftzeichen zu lesen, sondern nur die arabischen Schriftzeichen. Daher ist muß jedes Fahrzeug sich an der Grenze ein neues Nummernschild mit arabischer Schrift geben lassen. Das europäische Nummernschild muß entfernt oder überklebt werden.

Wir anderen bleiben bei den Fahrzeugen, warten, essen Obst und spielen Backgammon. Irgendwann muß ich dringend auf Toilette. Ich spreche einen libyschen Grenzbeamten an und frage diesen nach dem Örtchen. Daraufhin eskortiert mich dieser - quer durch ca. 10 Absperrungen bis zu einem Toilettenhäuschen auf der libyschen Seite. Er wartet draußen, bis ich fertig bin und eskortiert mich wieder zurück zum Auto.


Da die Libyer nur die arabischen Zeichen lesen können brauchen wir ein neues Nummernschild

Um 12:00 Uhr kommen unsere Fahrer zurück und wir müssen alle miteinander mit den Autos in eine Halle zur Durchsuchung einfahren. Die Untersuchung ist sehr flüchtig: Alle Türen werden geöffnet. Ein Beamter wirft einen kurzen Blick in den Wagen, das war's. Das ist aber wohl nicht immer so.

Tip: Dinge, die die libyschen Grenzbeamten nicht sehen sollen am besten alle zusammen in eine Tasche packen. Sollte ein Grenzbeamter dann doch das brennende Bedürfnis haben diese Tasche zu inspizieren erwähnen, daß darin das Gepäck einer Frau ist. Gepäck von Frauen ist normalerweise für libysche Männer tabu. Eine Garantie ist das natürlich nicht...

Um 13:00 Uhr können wir endlich nach Libyen einreisen. Es folgen auf den nächsten Kilometern noch einige Ausweiskontrollen. Vor allem Willi, der Schäferhund, erregt dabei Aufsehen. Ein Zöllner will sogar den Ausweis (Impfpaß) von Willi kontrollieren. Den haben Jens und Jutta bereits vor der Reise ins arabische übersetzen lassen müssen.

Libyen präsentiert sich uns schon unmittelbar hinter der Grenze mit anderem Gesicht als Tunesien: Vor uns liegt eine endlos lange Straße ohne besondere Geländemarken, umgeben von Sand, Staub und kleinem Buschwerk. Im nächsten Ort kaufen wir Obst, Gemüse, Cola und Wasser ein. Sogar frische Bananen gibt es, allerdings zu hohem Preis, da diese in Libyen nicht vorkommen und importiert werden müssen.

Kamelherde an der Straße nach Nalut

Wir biegen nach Süden ab, auf die Straße Richtung Nalut. Unterwegs überquert plötzlich vor uns eine Kamelherde die Straße. Wir halten an und machen Fotos. Willi kann Kamele anscheinend nicht ausstehen; jedenfalls verbellt er sie wütend. Gegen 16:00 Uhr biegen wir von der Straße ab und fahren über einen holprigen Schotterweg. Plötzlich läuft ein fuchsähnliches Tier vor uns über den Weg: ein Fennek. Selbst Dieter ist überrascht, einen Fennek hat er auf seinen bisherigen Reisen noch nicht gesehen, da diese Tiere sehr scheu sind und hauptsächlich nachtaktiv.

Bei dieser Hütte schlagen wir heute unser Lager auf

Wir fahren bis zu einer Hütte, die offensichtlich häufig Ziegen oder Schafen Unterschlupf bietet. Neben der Hütte bauen wir unser Lager auf.



Schatten!

Da es noch ziemlich heiß ist setzen wir uns zunächst in den Schatten und warten bis die Sonne tiefer steht, bevor wir unsere Zelte aufbauen. Moni hat Migräne und muß sich übergeben. Ich selber habe wegen der großen Hitze auch Kopfschmerzen und mache mir einen Turban mit einem feuchten Handtuch. Durch die Verdunstung wird das innerhalb kürzester Zeit angenehm kühl und nehme ein Aspirin.

Da Moni starke Migräne hat, helfen die anderen beim Zeltaufbau

Gegen 17:30 ist die Temperatur endlich auf angenehme Werte gesunken und wir bauen die Zelte auf. Anschließend kochen wir Ratatouille.


Ein abendlicher Besucher flattert plötzlich vom Licht angezogen auf unseren Tisch - etwa 8 cm lang!

Moni ist schon vor dem Essen ins Zelt gegangen, um Ihre Migräne auszukurieren. Wir anderen bleiben noch bis 22:00 Uhr auf. Dieter bringt plötzlich eine Teekanne an unseren Tisch. Aber es ist kein Tee drin, sondern Rotwein! Dabei ist die Einfuhr von Alkohol nach Libyen streng verboten. Aber er hat einen 10 Liter Ölkanister (natürlich einen nagelneuen ungebrauchten) randvoll mit Rotwein gefüllt und diesen so über die Grenze geschmuggelt. Begeistert johlend genießen wir diese unerwartete Überraschung.