Montag 25. Oktober 1999
(zurückgelegte Wegstrecke: 420 km)
6:00 Uhr läutet der Wecker. Ich lasse den Mädels den Vortritt an der Dusche ... und schlafe noch mal ne halbe Stunde. Nach kurzer Dusche gehen wir hinunter zu den Autos und frühstücken gemütlich. Danach bepacken wir unsere Fahrzeuge. Ein halbes Duzend ausgesprochen hübscher einheimischer Schülerinnen leistet uns dabei kichernd Gesellschaft. Das dauert über eine Stunde und Dieter macht uns klar, daß wir das in den nächsten Tagen deutlich beschleunigen müssen, da wir sonst zu viel Zeit verlieren.


Zusammenpacken

Um 8:45 Uhr fahren wir endlich los. In Kairouan werden neue Vorräte eingekauft. Hauptsächlich Wasserflaschen, Brot, Gemüse und Obst. Außerdem kaufe ich an einem Stand meine ersten Postkarten. Nach Briefmarken muß ich allerdings eine ganze Weile suchen, bis ich Sie endlich bei einem Tabakstand erstehen kann. Danach geht's weiter entlang der Küste in Richtung libyscher Grenze.


Politische Propaganda lacht uns von jeder zweiten Haustüre entgegen

Um 10:15 machen wir Rast in einer kleinen Ansiedlung namens Bir Ali Ben Kalifa. Norbert ist übel und muß sich übergeben. Auch Ulrike ist nicht ganz wohl. Wir haben die Vermutung, daß das Cous Cous von gestern eventuell nicht ganz in Ordnung war, denn beide hatten davon gegessen.

Wir werden Zeuge bei der Schlachtung ein Ziege. Es ist sehr interessant zu sehen, wie das gemacht wird: Zunächst wir der Ziege die Gurgel durchgeschnitten. Nachdem die Ziege ausgeblutet ist sticht ihr der Schlachter ein kleines Loch in das Fell einer Kniekehle. Durch dieses Loch bläst er dann heftig. Schon nach wenigen Sekunden sieht die Zeige aus wie ein großer Luftballon. Dadurch löst sich das Fell von der Haut. Dadurch läßt sich das Fell nun mit einem Messer ganz leicht abziehen. Der Kopf wird vom Rumpf getrennt und mit dem Rest des Fells abgezogen. Danach wir der Bauch aufgeschnitten und die Innereien entfernt. Ganz zum Schluß wird die Ziege entlang der Wirbelsäule in zwei Hälften geteilt. Der ganze Vorgang hat nicht länger als 15 Minuten gedauert.


Blitzschnell ist das Fell abgezogen


danach wird der Kopf mit dem Rest des Fells weggeschnitten


Zum Schluß wird die geschlachtete Ziege säuberlich in zwei Hälften geteilt

Kurz darauf kommen wir an einer Shepka vorbei, einem kleinen Salzsee in dem sich eine wenige Zentimeter tiefe Wasserschicht gehalten hat. Wir kommen vorbei an Olivenhainen, fahren durch Eukalyptus-Alleen und vorbei an hellgrün leuchtenden Pepperonifeldern.

In einem Eukalyptushain bei Gabes machen wir Rast

Gegen halb zwei erreichen wir Gabes. Wir biegen in einen kleinen Eukalyptushain ein und packen unsere Vorratskisten aus um Mittag zu machen.


Mittagessen aus der Frühstückskiste

Ca. 100 Kilometer vor der Grenze begegnen wir den ersten Schwarzhändlern, die uns anbieten Geld zu tauschen. In Libyen selber gibt es dafür keine Möglichkeit, da es keine Banken gibt. Der Kurs ist sehr schlecht. Der Wegfall des Embargos hat sich sehr ungünstig ausgewirkt. Als wir endlich einen einigermaßen akzeptablen Kurs 1 US$ = 1,85 LD ausgehandelt haben taucht das nächste Problem auf: Die Wechsler wollen nur 50 und 100 Dollar Scheine annehmen, da sie für jeden einzelnen Schein eine Gebühr bei den Banken zahlen müssen. Je mehr (da kleinere) Scheinen sie annehmen, desto geringer ihr Gewinn... Damit hatten wir nicht gerechnet. In jedem anderen Land gibt es gerade mit 100 Dollarscheinen Probleme, da dieser der häufigst gefälschte Geldschein der Welt ist.

Nach langem Ringen sind die Wechsler bereit auch 20 Dollarscheine anzunehmen. Ich tausche letztendlich 160 Dollar, ein Betrag, der laut Dieter völlig für die drei Wochen Libyen ausreichen soll - inklusive Souveniers!

Um 16:15 erreichen wir Medenine. Hier kaufen wir erneut Wasserflaschen ein.
Eine Stunde später fahren wir wenige Kilometer vor der Grenze von der Straße ab und es geht quer Feld ein in einen Eukalyptushain. Hier machen wir Lager, um am nächsten Tag in aller früh die Grenzformalitäten hinter uns zu bringen.


Abendessen im Eukalyptushain vor der Grenze

Zum Abendessen gibt es mexikanischen Feuertopf aus der Dose. Anschließend ist gemütliches Zusammensitzen bei Petroleumlicht und Backgammonspiel angesagt. Ich schreibe die in Kairouan gekauften Postkarten. Ungefähr bis halb zehn. Danach geht's in die Zelte...