Samstag 23.10.1999
Da es im Auto nicht besonders bequem ist und Dieter außerdem nicht einschlafen will und daher die Temperatur kühl hält kann ich nicht schlafen. Wir machen dreimal Rast auf der Fahrt nach Genua. Die erste Rast ist in Südtirol, bei Sterzing um viertel nach zwei. Die zweite am Gardasee, bei Affi um halb fünf Uhr. Die dritte und letzte Rast vor Genua machen wir in der Nähe von Mailand um acht Uhr morgens.


Früh morgens erreichen wir Genua

Um viertel nach zehn kommen wir im Hafen von Genua an. Moni, die als einzige ihr libysches Visum nicht über Dieter beantragt hatte (als Schweizerin mußte sie das Visum selber in der libyschen Botschaft in der Schweiz beantragen) erfährt mit Schrecken, daß der grüne Bogen, den sie von der Botschaft zurück erhalten hat bei der Einreise nach Libyen abgegeben werden muß. Sie hat diesen Bogen - in der Annahme das Visum würde für die Einreise reichen - nicht mitgenommen. Nun ist es zu spät und wir werden es an der Grenze nach Libyen drauf ankommen lassen. Wir beschließen an der Grenze zu behaupten sie habe den Bogen von der Botschaft nicht zugesandt bekommen.

typisches Herbstwetter über Genua

Da bis zur geplanten Abfahrt der Fähre am Nachmittag noch viel Zeit ist machen wir einen Bummel durch die Altstadt von Genua. Da es anfängt zu regnen setzen wir uns bald in eine Hafenkneipe und essen zu Mittag.


In der Altstadt von Genua

Nach dem Mittagessen gehen wir wieder zu unseren Fahrzeugen. Inzwischen ist auch das dritte Auto bei uns eingetroffen. Jens und Jutta waren mit Ihrem Landrover Defender 130 unabhängig von uns über die Schweiz nach Genua gefahren. Sie haben einen Schäferhund (Willi) mit dabei und erzählen uns, welche Papiere und Formalitäten sie für erledigen mußten, um diesen mit nach Libyen zu nehmen. Interessanterweise waren für Tunesien wesentlich mehr Formalitäten nötig als für Libyen. Als unser Schiff um halb drei den Hafen erreicht sind wir alle ziemlich überrascht, den Namen Carthage zu lesen, denn wir hatten damit gerechnet mit der Habib zu fahren.


Entgegen unseren Erwartungen fahren wir nicht mit der Habib, sondern mit der Carthage

Um 15:00 Uhr stellen wir uns in einer großen Wartehalle beim Schalter der Hafenpolizei an, um uns unseren italienischen Ausreisestempel zu holen. Vor dem Schalter hat sich bereits eine lange Menschenschlange gebildet. Moni ist müde und legt sich auf ein der Bänke im Warteraum. Wenig später ist sie eingeschlafen.

Um 16:00 Uhr treffen endlich die Beamten der Hafenpolizei ein und beginnen mit der Arbeit. Überraschend schnell werden wir alle abgefertigt, so daß bereits um 16:45 die Fahrzeuge auf die Fähre beladen werden können. Wir beziehen unsere Kabinen auf dem 5. Deck. Ich teile mir eine mit Moni, Karsten und Ulrike. Wir sind angenehm überrascht über die luxuriösen Einrichtung. Jede Kabine hat sogar eine eigene Dusche. Wir haben ja eigentlich damit gerechnet auf der wesentlich älteren und bei weitem nicht so luxuriösen Habib zu fahren. Die Carthage hat sogar ein Swimming-pool an Deck, der im Sommer die Überfahrt sicherlich zu einer Luxuskreuzfahrt werden lassen kann. Um diese Jahreszeit dagegen ist kein Wasser eingelassen. Außerdem hat das Schiff zwei Bars und drei Restaurants.

Gegen 18:00 Uhr legen wir ab.

Wir treffen uns um 17:30 auf dem 7. Deck in der Schiffbar und füllen die Einreisepapiere für Tunesien aus. Kurze Zeit später (gegen 18:00 Uhr) legen wir ab.

Karsten und ich besorgen uns Tickets für das Buffet-Restaurant. Die anderen ziehen es vor im Seif-Servicerestaurant zu essen - wie sich später zeigt die bessere Entscheidung. Ab 19:00 Uhr soll das Restaurant geöffnet haben. Beim ersten Versuch ist noch nichts los: Auf dem Schiff ist tunesische Zeit und die geht eine Stunde nach. Wir korrigieren unsere Uhren und legen uns noch kurz hin, um den Seegang und damit das Rollen des Schiffes besser verkraften zu können. Danach gehen wir erneut ins Restaurant.

An Deck erwartet uns ein farbenprächtiger Sonnenunterngang.

Wir bekommen ein sogenanntes 5-Gänge Menü vorgesetzt:
Als ersten Gang gibt es Suppe. Keine Ahnung was für eine aber scharf und gut. Tomaten und Linsen lassen sich identifizieren.
Zweiter Gang: Teigtaschen mit Ei-Füllung. Ebenfalls ausgezeichnet.
Dritter Gang: Fleischpflanzerl vom Rind mit "Bonduelle" Erbsen-Karottengemüse und Kartoffeln
Während des dritten Gangs muß sich ein Gast am Nebentisch plötzlich übergeben. Karsten, der das beobachtet, fühlt sich danach ebenfalls nicht mehr ganz wohl. Der starke Seegang macht uns eben allen zu schaffen. Er geht an die frische Luft, kommt aber kurze Zeit später wieder und verabschiedet sich in Richtung Kabine.
Vierter Gang: Käseplatte. Die lasse ich ausfallen.
Fünfter Gang: eine Banane.
Zum Trinken gibt es ausschließlich Aqua naturale.

Nach dem Essen gehe ich ebenfalls in die Kabine. Moni schläft schon. Sie hat das Abendessen ganz ausfallen lassen. Ich packe mein Buch aus und lesen noch ein paar Seiten. Durch das ständige gleichmäßige Rollen des Schiffes werde ich aber schnell müde - schließlich bin ich letzte Nacht auch kaum zum Schlafen gekommen.