Dienstag 9. November 1999
(zurückgelegte Wegstrecke: 145 km)
Willi weckt uns heute wieder einmal um halb acht. Moni hustet noch stärker als am Vortag. Obwohl sie Schleim und Eiter mit hochhustet, will sich nicht von Norbert (unserem "Expeditionsarzt") untersuchen lassen. Da Norbert ebenfalls sehr besorgt ist rede ich Moni noch einmal ins Gewissen und schließlich ist Sie doch bereit sich die Lunge abhören zu lassen.

Die Diagnose lautet zum Glück nur auf Bronchitis und nicht wie befürchtet auf Lungenentzündung.

Beim Verlassen des Dünengürtels übersieht Dieter eine Bodenwelle und das Auto wird heftig durchgeschüttelt, so daß ich mit dem Kopf gegen einen Deckenholm stoße und heftige Kopfschmerzen bekomme. Das Auto nimmt zum Glück keinen Schaden. Weder eine Beule durch meinen Kopf, noch einen Achsbruch durch die Bodenwelle...

Danach geht es eine Stunde lang immer schnurgerade aus über eine Sandpiste. Wir kommen sehr gut voran und zeitweise zeigt der Tacho sogar 75 km/h!

Wir kommen an einem Ouet vorbei, in dem sogar grüne Pflanzen (Gräser und Moose) wachsen. Danach geht es weiter über eine Geröllpiste, die uns zwingt mit Schrittempo zu fahren.

Schließlich (gegen 13 Uhr) erreichen wir die Teerstraße nach Germa (gesprochen Dscherma). In Germa kaufen wir Brot und suchen die Post auf um zu telefonieren. Leider ist von diesem Postamt jedoch keine Auslandsanwahl möglich und wir fahren weiter zu einem Call Center. Dieses ist überraschen teuer (im Vergleich zu den Telefongesprächen, die wir bisher geführt haben): 7,50 Dinar für einen 1 Minutenanruf um auf den Anrufbeantworter zu sprechen!


Das Call Center ist nicht zu übersehen auch wenn wir die Schrift nicht lesen können

In Germa gibt es einen Campingplatz, in dem wir für 1 Dinar die Duschen benutzen dürfen. Es gibt sogar warmes Wasser! Das hebt unsere Stimmung sosehr, daß wir schließlich alle laut singend (oder besser gröhlend) unter der Dusche stehen...


Das muß man den Arabern lassen: sie haben eine wunderschöne Schrift...


...auch wenn ich zugeben muß...


...daß ich keinen Schimmer habe, was hier geschrieben steht

Wir Essen auch gleich hier auf dem Campingplatz und spielen anschließend eine Runde "Siedler von Catan".

Kurz hinter Germa schlagen wir in den Dünen unser Lager auf. Wir beschließen ein Foto von uns allen vor dem Landrover zu machen und dieses auf ein T-Shirt zu drucken, zusammen mit der Reiseroute, als Andenken für diese Tour. Dazu benötigen wir allerdings einen passenden Hintergrund. Den hoffen wir an den Mandaraseen zu finden.

Anschließend sammeln wir unter unseren Habseligkeiten Geschenke für Ali und Ibrahim zusammen, die uns bald verlassen werden.

Bei Sonnenuntergang marschiere ich los um die faszinierende Dünenlandschaft auf Zelluloid zu bannen.



Noch vor dem Abendessen marschieren wir zu Ali und Ibrahim hinüber um Ihnen die Geschenke zu überreichen. Dabei nutze ich die Gelegenheit um das Tagelat-Rezept aufzuschreiben, denn die beiden sind gerade wieder dabei dieses Wüstenbrot zu backen:

Tagelat-Rezept
Mehl, Wasser und Milchpulver wird zu einem Teig geknetet.
Anschließend wird am Rand des Lagerfeuers die Kohle beiseite geschoben und ein Loch gegraben.
In dieses Loch wird nun etwas Mehl gestreut und der Teig wird als ca. 5 cm dicker Fladen in das Loch gegeben und mit einer dünnen Schicht Sand (ca 2 Millimeter) bedeckt.
Darüber wird nun wieder die zuvor beiseite geschobene Kohle geschoben.
Nach 40 Minuten wird die Kohle wieder beiseite geschoben, der Fladen gewendet und erneut mit glühender Kohle bedeckt.
Nach weiteren 20 Minuten backen ist das Tagelat fertig.

Im nächsten Schritt wird der Sand vom Tagelat gründlich abgewaschen und anschließend der Laib in zwei Hälften gebrochen, damit er besser auskühlen kann.

Die Tuareg essen vom Tagelat nur das weiche Innere, damit sie sich die Zähne nicht an der harten Rinde verletzen - Zahnärzte gibts in der Wüste ja nicht.






Unsere Guides beim Tagelat backen

Zum Abendessen gibts heute eine dicke Nudelsuppe mit Rindfleisch aus der Dose. Das ganze kochen wir am Lagerfeuer der Tuaregs. Diese warten geduldig ab, bis wir wieder zurück zu unserem eigenen Lager gehen, bevor sie selber etwas essen. Kurz vor 21 Uhr gehen wir zu Bett. Das wär mir zu Hause nie passiert!