Montag 8. November 1999
(zurückgelegte Wegstrecke: 110 km)
Wie am Vortag stehen wir gegen halb acht auf und frühstücken. Moni hat heute Geburtstag und wir überreichen ihr unser Geschenk.


Moni hat heute Geburtstag

Gleich nach dem Frühstück brechen wir auf. Unsere Route geht entlang einer Dünenstrecke Richtung Nord-Nord-Ost. Es ist sehr windig und die Luft ist sehr staubig. Die Straße ist teilweise so schlecht, daß nur langsame Schrittgeschwindigkeit möglich ist, da wir uns sonst die Reifen aufschneiden würden.

Zur Mittagszeit erreichen wir endlich das Wadi Matendous. Wir lassen unsere Fahrzeuge stehen und steigen einen drei Kilometer langen Fußweg zur Talsohle hinunter. Da das Wadi deutlich tiefer liegt ist hier plötzlich wieder relativ starke Vegetation zu finden. Der Boden ist mit hohen Gräsern bewachsen und an den Felswänden wachsen Bäume. Alles leuchtet in ungewohntem Grün. An den Wänden des Wadi finden wir viele der Felsgravuren, für die das Wadi berühmt ist. Wieder finden wir Darstellungen von Giraffen und Elefanten, die hier schon seit langer Zeit nicht mehr zu finden sind.




Hier im Wadi hält sich die Feuchtigkeit und es ist plötzlich alles grün



Felsgravuren - Darstellung einer Giraffenherde

Auf dem Rückweg sehe ich plötzlich etwa zwei Meter vor mir eine ca. 70 cm lange Schlange, die sich auf dem Weg vor mir in der Sonne aufwärmt. Da ich mich der Schlange über Sand genähert habe und damit keine Bodenerschütterungen verursacht habe, hat mich die Schlange nicht bemerkt. Sie hat die Nickhäute geschlossen und schläft offensichtlich.

Ich rufe die anderen herbei und wir können schöne Aufnahmen machen.

Jens und Jutta bleiben mit Willi auf Abstand, damit dieser der Schlange nicht zu Nahe kommen kann. Es handelt sich um eine hochgiftige Sandviper.

Nachdem wir wieder zurück am Auto sind fahren wir eine Stunde lang entlang des Wadis. Schließlich fahren wir über eine katastrophal schlechte Straße ins Wadi hinein. Dora und Jutta weisen ihre Männer ein, damit die Fahrzeuge trotz hoher Bodenfreiheit nicht aufsitzen. Belohnt werden wir mit einem sehr hübschen Platz für unser Mittagessen und wieder einmal der Gruppe Schweizer, denen wir nun schon mehrfach begegnet sind.




Die Felsgravuren berichten von einer Zeit, als hier noch Giraffen und Elefanten zuhause waren

Diese lachen sich halb schief, als Norbert im schlammigen Bachbett stecken bleibt und angeschoben werden muß. Auch hier sehen wir einige schöne Felsgravuren. Danach müssen wir wieder hinaus aus dem Wadi. Erneut mit Bodenfreiheitskontrolle. Stundenlang fahren wir mit Schrittgeschwindigkeit durch eintönige Geröllfelder.

Die Trasse ist so schlecht und zerfahren, daß wir nur mit langsamstem Tempo vorankommen. Und das bei großer Hitze, die eigenlich Lust auf Fahrtwind macht. Diese Gegend ist mit ihren staubigen und heißen, steinigen Geröllfeldern noch wesentlich lebensfeindlicher als die Sanddünen.

Kurz vor abend erreichen wir eine Police Station. Hier melden uns unsere Guides an. Danach geht's ab in die pünktlich um 17:00 Uhr erreichten Dünen. Der Himmel macht uns sorgen: Ein Sandsturm scheint aufzuziehen. Wir gehen sicherheitshalber in Deckung hinter einer Düne und spannen unsere Zelte mit Heringen mehrfach ab.

Dennoch müssen wir kurze Zeit später die Abspannung noch einmal verstärken, da der inzwischen aufgekommene Wind unsere Zelt trotz Windschatten hinter der Düne in die Knie zu zwingen droht.

Zum Abendessen gibts heute Zwiebelsuppe (igitt!) bzw. Brühe mit Pepperoni (lecker!) und Chevapcici. Die Von den Tuareg erhalte ich heute das Teerezept:

Tee-Rezept
Zwei Glas Teeblätter in eine Kanne + 3/4 voll Wasser. Aufkochen. 2 1/2 Teelöffel Zucker zum Fermentieren in die zweite Kanne. Alles umleeren und fermentieren. 2. Aufguß genauso.

Anschließend gibts wieder Rotwein. Moni hustet seit dem Dünenrennen beunruhigend stark. Wir befürchten schon eine Bronchitis oder schlimmeres. Norbert will sie untersuchen, Moni lehnt aber ab.

Wir haben Glück: der befürchtete Sandsturm bleibt doch aus.