Mittwoch, 30. September 1998
Es ist sehr kalt. So hatten sich unsere Mädels Afrika nicht vorgestellt. Wir haben noch keine gute Organisation, deshalb benötigen wir für Frühstück und zusammenpacken volle 2 Stunden. Das hebt unsere Stimmung genauso wenig wie die Tatsache, daß wir im ganzen Park nicht ein einziges Rhino gesehen haben. Dabei hatten wir uns gerade von diesem Park soviel erhofft. Wir verlassen ihn und fahren weiter Richtung Rakops.

Auf dem Weg sehen wir immer wieder Esel, deren Vorderfüße brutal zusammengebunden sind um zu verhindern daß sie weglaufen. Es sieht bedauernswürdig aus, wie diese versuchen humpelnd die Straße zu überqueren.

In einem wüstenartigen Gebiet, direkt neben einer Salzpfanne halten wir an, um diese [Bilder] faszinierenden Geisterbäume zu fotografieren. Beim Aussteigen erschlägt uns die Hitze fast. Im Auto hatten wir das - dank Klimaanlage - gar nicht gemerkt. Unsere Mädels entscheiden: Wir sind doch in Afrika!

Geisterbäume...

Schließlich erreichen wir Rakops: ein winziges Kaff im Nirgendwo und gleichzeitig unser Tor in die Kalahari. Unsere große Sorge: werden wir hier Benzin bekommen. Wenn nicht, dann müssen wir wohl oder Übel auf den Abstecher in die Kalahari verzichten, oder warten bis ein Tankwagen kommt. Laut Reiseführer ist hier die Benzinversorgung nicht immer sicher gestellt. Als wir die einzige Tankstelle des Ortes, die noch mit einer Handkurbel bedient wird, erreichen erfahren wir, daß wir Glück haben: Gerade am Vortag hat ein Tankwagen wieder Benzin angeliefert. Wir füllen beide Tanks und die Reservekanister randvoll mit Benzin.

Anschließend machen wir uns auf den 3-tägigen Abstecher in die Kalahari-Wüste. Auf dem 40 km langen Zufahrtsweg zur Kalahari - über eine langgezogene Sanddüne - haben wir (und vor allem Moni, die hier zunächst am Steuer sitzt) erstmalig das Vergnügen die Grenzen unseres Allradantriebs auszutesten. Die Sandpiste - falls das nicht bereits eine zu große Beschönigung darstellt - ist eine der miserabelsten Straßen, dieser Reise. Wir machen uns Sorgen für den Fall, daß innerhalb der Kalahari dieselben "Straßenverhältnisse" zu finden sind. Dann gerät nämlich unser gesamter Zeitplan und vor allem auch unsere Benzinplanung in Gefahr.
Wir versuchen auch neben der Piste durchs offene Gelände zu fahren, aber es geht nur unwesentlich besser und so kehren wir wieder auf die Straße zurück. Beides Aktionen, bei der wir den Schwerpunkt unseres Fahrzeugs bedenklich weit aus dem Gleichgewicht bringen. Nun übernehme ich das Steuer.

Bei einem Fotostopp bemerkt Karsten ein leises Plätschern und wirft einen Blick unter den Wagen: Eine farbige Flüssigkeit läuft irgendwo sehr schnell aus. Unsicher, ob es sich um Kühlwasser oder Benzin handelt nehmen wir eine Probe in einem Colaflaschendeckel und versuchen es zu entzünden. Dieser Test zeigt uns sofort: Es ist Benzin!


Benzin läuft aus!

Daraufhin wird sofort die Debatte gestartet, ob wir nun sofort nach Rakops (respektive zur 'nächsten' Garage im 2-Tagesreisen entfernten Serowe) zurückfahren müssen, da in der Kalahari absolut keine Hilfe zu erwarten ist.
Wir beschließen zunächst die Stelle zu finden, an der das Benzin austritt. Nach längerer Suche ermitteln wir schließlich den Übeltäter: Nicht aus einem defekten Benzintank, wie zunächst vermutet, sondern aus einem Überlauf des Benzintanks läuft das Benzin aus! Wir hatten in Rakops im wahresten Sinne des Wortes VOLL getankt und inzwischen hatte sich das Benzin aufgrund der enormen Hitze ausgedehnt und läuft nun durch den Überlauf hinaus. Erleichtert können wir unser Reise fortsetzen.

Nach 4 Stunden Fahrt erreichen wir den Zugang zum Central Kalahari Game Reserve (CKGR). Hier erfahren wir, daß immer nur maximal 24 Fahrzeuge gleichzeitigt in das Reservat dürfen, da es nur 12 ausgewiesen Campingplätze für jeweils zwei Fahrzeuge gibt.


Durch die Kalahari - Erste Bewährungsproben für unser Auto

Langsam rollen wir wir durch den Park und haben auch schon bald Gelegenheit Bewohner dieses einsamen Fleckchens zu sehen: DigDigs (die kleinste aller Antilopenarten - nur ca. ein halber Meter groß), Streifenhörnchen, und viele verschieden Vogelarten.


Bereits kurz hinter dem Eingang begegnen uns die ersten Tiere: Streifenhörnchen...


...Perlhühner...


...und auch ein Adler

Wir übernachten im Deception Valley. Nur ein Schild weist uns darauf hin, daß es sich um einen 'Campingplatz' handelt. Jedenfalls weit und breit ist absolut nichts. Keine Menschenseele. Nur Wüste, was bei den Mädels doch ein etwas beklemmendes Gefühl auslöst. Ich dagegen genieße die unberührte Weite der Natur.
So knapp vor Sonnenuntergang reicht das Tageslicht noch gut aus, um unsere Zelte aufzustellen. Wir erleben einen atemberaubenden Sonnenuntergang. Trotz der Einsamkeit ist es keineswegs still! Im Gegenteil: der Lärm ist ohrenbetäubend; Zikaden machen einen Heidenlärm und erstmals bei Einbruch der Dunkelheit hören wir das unheimliche Lachen vieler Hyänen. Nicht umsonst wurde diese Wüste durch den Bestseller "Cry of the Kalahari" (von Mark und Delia Owens) - ein Buch über Hyänen - berühmt. Im Schein der Leuchtscheinwerferlampen sehen wir im Gebüsch grünaufblitzende Augen und hoffen daß es sich dabei nur um Hyänen handelt...

Nachts auf die Toilette zu gehen bedeutet da die Spannung eines guten Hitchcock Thrillers. Moni kann erst einschlafen, nachdem sie ihre Ohren mit Oropax bestückt hat.