Mittwoch, 21. Oktober 1998
Für diesem morgen haben wir einen Besuch im Chirinda Forest Reserve, dem südlichsten Regenwald Afrikas, geplant. Wir fahren zunächst gute zwei Stunden Richtung Osten, bis wir an die Grenze des Regenswalds kommen. Wir folgen einem holprigen Waldpfad mit tiefen Schlaglöchern (an einigen Stellen befürchten wir sogar mit unserem Fahrzeug aufzusitzen, obwohl es - wie alle Geländefahrzeuge - eine große Bodenfreiheit hat). Schließlich erreichen wir einen Parkplatz. Ab hier müssen wir zu Fuß weiter.


Hier kommt man nur noch zu Fuß weiter...

Wir nehmen unsere Fotoausrüstung, verschließen unser Auto und folgen dann einem engen Fußpfad in den tieferen Wald. Schon auf den ersten Metern wird uns klar, daß dieser Ausflug nicht mit einem europäischen Waldspaziergang vergleichbar ist. Alle Pflanzen sind feucht und teilweise tropft es von den Bäumen auf uns herab. Allerdings fehlt die typische Treibhausatmosphäre. Es ist eigentlich relative frische Luft, wenn auch von ungewohnten Gerüchen durchsetzt. Ach ja: Pro Meter durchschreiten wir ca. 10 Spinnennetze, die unsichtbar quer über den Weg gespannt sind. Uns ist nicht ganz wohl, denn wir können den Boden vor uns meist nicht sehen, da die Pflanzen beständig dabei sind das durch den Pfad verlorene Terrain zurückzuerobern. Und was sich unter diesen Pflanzen für Tiere verbergen mögen...


Die Zufahrtsstraße zum südlichsten Regenwald Afrikas

Schon nach wenigen Metern ist uns das mit den Spinnenweben so unangenehm (Moni hat schon bei den ersten Netzen uns Jungs vorausgeschickt, daß ich mein Stativ auspacke vor mir hertrage, so daß die Spinnweben sich nicht an meinem Gesicht, sondern am Stativ hängen bleiben. Innerhalb kürzester Zeit ist das Stativ daraufhin von einer weißen Schicht umgeben. Oft sehen wir auch die zugehörigen Spinnen in den Netzen sitzen. Wir halten uns sicherheitshalber fern von Ihnen, denn wer weiß schon, welche hier giftig sind und welche nicht.


So eine Spinne klettert plötzlich auf meinem Gesicht herum...!

Aber auch die größte Vorsicht reicht manchmal nicht aus. Im Gespräch drehe ich mich kurz zu Moni um. Als ich mich wieder nach vorne drehe, laufe ich direkt in ein Spinnennetz hinein. Noch im letzten Augenblick sehe ich eine große rote Spinne, kann aber nicht mehr bremsen. Ich spüre, wie die Spinne über mein Gesicht und in meine Haare hineinläuft. Normalerweise habe ich keine Probleme mit Spinnen, aber eine unbekannt Spinne in meinen Haaren herumlaufen zu spüren ist dann doch zuviel. Ich schreie auf und fahre mir wild mit den Fingern durch die Haare, um die Spinne loszuwerden. Karsten und Moni brauchen ein paar Sekunden, bevor sie erfassen, was passiert ist. Daraufhin helfen Sie mir, indem sie auf meinem Kopf nach der Spinne suchen. Doch sie ist verschwunden. Das beruhigt mich nicht besonders, da aber auch längere Suche nichts daran ändert gehen wir wieder weiter. Ich achte noch lange konzentriert, ob sich in meinen Haaren etwas bewegt, aber anscheinend ist die Spinne bei meinem wilden Haare raufen doch abgesprungen.

Ach ja: Durch diesen kurzen Aufenthalt, bei dem wir uns nicht vorwärtsbewegt haben, hat eine größere Anzahl Ameisen die Gelegenheit ergriffen und ist uns an den Beinen hochgestiegen. Wir spüren ihre Bisse nun überall unter unserer Kleidung. Wirklich ein gemütlicher Ort, so ein Regenwald...

Nach einer halben Stunde Marsch, in dem wir sicherlich nicht mehr als einen Kilometer zurückgelegt haben, erreichen wir unser erstes Ziel: Big Tree eine über tausend Jahre alten Regenwaldbaum mit 15 Meter Umfang und 66 Meter Höhe. Für den Rückweg wählen wir eine andere Strecke, die uns noch an einigen weiteren Urwaldriesen vorbeiführt.


"Big Tree" angeblich der älteste Baum in diesem Regenwald

Schließlich sind wir zurück am Fahrzeug und sortieren erst mal unsere Kleidung, um das ganze Ungeziefer und die Spinnweben loszuwerden. Anschließend geht's zurück.

Unser Urlaub nähert sich unaufhaltsam seinem Ende und so ist unser nächstes Ziel Beitbridge, die Grenze nach Südafrika. Unser Weg für uns ein weiteres Mal bei Great Zimbabwe vorbei. In Masvingo machen wir Großeinkauf (Bücher, Klamotten und Benzin), um unsere restlichen Zim-Dollar loszuwerden, da wir beim Wechseln in Südafrikanische Rand mit hohen Kursverlusten rechnen müssen.

Schon von weitem können wir die Birchenough Bridge sehen, die sich hoch über die flache Landschaft erhebt.


Birchenough Bridge

Schließlich erreichen wir Beitbridge und wollen nach Südafrika einreisen. Unerklärlicherweise müssen wir hier eine 'Toll Fee' (angeblicher Brückenzoll) bezahlen und sind so unsere letzen Zim-Dollar los. Auch die, die wir für unsere Münzsammlungen gedacht hatten. So erreichen wir Massina, die südafrikanische Grenzstadt, im Dunkeln gegen 21 Uhr. Nach längerem suchen finden wir einen Geldautomaten, der uns die nötigen Rand für eine Übernachtung auf dem Campingplatz verschafft. Wir sind alle nicht besonders gut gelaunt und außerdem sieht es noch nach Regen und Sturm aus. Allerdings haben wir endlich mal wieder Gelegenheit eine heiße Dusche zu nehmen! Wir gehen schließlich ohne Abendessen zu Bett, da wir keine Lust mehr auf kochen haben.