Freitag, 16. Oktober 1998
Wir werden durch starke Regengeräusche aufgeweckt. Da das Wetter derart trist aussieht, dösen wir weiter und haben nur wenig Lust unsere warmen und trockenen Schlafsäcke zu verlassen. Wir unterhalten uns lange über irgendwelche Anekdoten - auch die Mädchen beteiligen sich quer durch die Zeltwände hinweg daran. Wir fühlen uns zu vier so wohl wie schon lange nicht mehr.


Die Mädels haben keine große Lust bei diesem Regen aufzustehen...

Irgendwie schaffen wir es doch noch die Mädchen zum Aufstehen zu bewegen (wir haben schon einige Zeit vorher das Zelt verlassen, als der Regen etwas nachgelassen hat). Im Nieselregen fällt unser Frühstück ziemlich kurz aus (wir stehen unter dem Zelt der Mädchen um dem Regen zu entgehen), als uns zwei Israelinnen im Hippie-Look besuchen und um warmes Teewasser bitten. Schon bald kristallisiert sich heraus, daß die beiden Weltenbummlerinnen eine Mitfahrgelegenheit suchen. Ich bin zunächst dagegen die beiden mitzunehmen, aber als Moni sich dafür ausspricht habe ich auch keine Einwände mehr. Wir sind jetzt zu sechst im Fahrzeug unterwegs: Drei auf der Rückbank und drei vorne (eine der beiden Israelinnen bei mir auf dem Schoß).

Wir fahren quer durch den Matopos Nationalpark, besichtigen Felszeichnungen und interessante Gesteinskonstellationen.


"Three Sisters" nennt man diese Gesteinsformation

Nach einiger Zeit kommen wir zum Whovi Game Drive, an dem - laut Reiseführer - oft Nashörner zu sehen sein sollen. Aber entweder sind sind heute keine Nashörner da, oder wir sehen sie vor lauter Regenschauern nicht. Immerhin sehen wir nach einiger Zeit wenigstens eine Giraffe. Die beiden Israelinnen flippen fast aus, als sie die sehen. Uns ist das zunächst völlig unverständlich, bis uns die beiden erklären, daß sie - obwohl bereits seit einem Jahr in Afrika als Backpacker unterwegs - noch nie eine Giraffe gesehen haben!


Seit einem Jahr in Afrika unterwegs und noch keine Giraffe gesehen: die beiden Israelinnen

Immerhin läßt der Regen nach einiger Zeit nach, so daß wir aussteigen können.

Am Nachmittag - die Israelinnen haben wir wieder bei Ihrem Zelt abgesetzt - verlassen wir den Nationalpark und fahren via Bulawayo zum Great Zimbabwe Monument. Unterwegs kommen wir durch eine der vielen Bergwerksstädte. Hier wird großräumig Asbest abgebaut. Die ganze Luft stinkt danach. Uns ist nicht ganz wohl dabei und wir stellen unsere Belüftung auf Umluft-Betrieb, um die Asbest verseuchte Luft nicht zu sehr einatmen zu müssen. Kaum vorstellbar, daß die Leute hier tagaus tagein in dieser verseuchten Luft leben...

Gegen 19:00 Uhr erreichen wir Great Zimbabwe und müssen uns im Dunklen einen Zeltplatz suchen. Es regnet immer noch sehr heftig. Simone schenkt einem Campwächter zwei T-Shirts, damit er auf unser Auto aufpaßt, während wir in einem benachbarten Hotel im Trockenen zu Abend essen können.

Es regnet immer noch. Wir scherzen, daß Afrika wohl weint, weil uns Simone morgen schon verlassen will. Sie hat nur drei Wochen Urlaub und wird morgen in Harare in ihren Flieger zurück in die Schweiz steigen.

Wir marschieren im strömenden Regen zurück zu unserem Auto. Der beauftragte Camp-Wächter steht brav vor unserem Auto und hat sich damit die beiden T-Shirts redlich verdient...