|
Samstag, 10. Oktober 1998
Frühmorgens brechen wir auf zur Durchquerung des Chobe Nationalparks. Wir fahren als erstes das künstliche Wasserloch außerhalb des Camps an. Hier herrscht Hochbetrieb! Hunderte von Vögeln, verschiedene Antilopenarten, Hyänen, Giraffen und natürlich Elefanten halten sich am Wasserloch auf. |
|
Bei näherer Betrachtung
sehen wir, daß im Wasserloch ein toter Elefant liegt. Eine Hyäne (spotted hyena)
tut sich - mit blutig triefender Schnauze - an ihm gütlich, bis schließlich ein
großer Elefantenbulle den Leichenschänder unter lautem Trompeten vertreibt.
![]() Diese Hyäne hat sich gerade an einem toten Elefanten gütlich getan. ![]() Ohne Karstens Luchsaugen wäre uns dieser Anblick entgangen. Bei etlichen Steigungen bleibt uns nichts anderes übrig, als trotz der großen Hitze auszusteigen und das Auto aus dem Sand zu schieben, da der Wagen trotz L-1 Gang (der größten Untersetzung) und Differential-Sperre nicht mehr selber freikommt. Natürlich gelingt das erst nachdem wir Äste unterlegt und die Räder freigegraben haben. Bei diesen Aktionen steigt unser Benzinverbrauch auf 1-2 Kilometer pro Liter (50-100 Liter pro 100 km)! Langsam bezweifeln wir, daß wir noch eine Chance haben Kasane mit unseren Benzinvorräten zu erreichen... Wir sind völlig erledigt; immer noch kein Frühstück und in der großen Hitze Äste zusammensuchen und Auto ausschaufeln... Viel getrunken haben wir auch nicht, so daß wir gegen Mittag schon aufgrund des Flüssigkeitsmangels kollabieren. Am ersten Etappenziel dieses Tages, der Ortschaft Kachekawbe, die wir aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse mit über zwei Stunden Verspätung erreichen, gönnen wir uns endlich das schwer verdiente Frühstück. Schließlich erreichen wir den Chobe River und kurz darauf Ngoma Bridge, die Grenzbrücke zwischen Botswana und Namibia. Zunächst wollen wir über die Brücke gehen, um uns eine Einreisestempel von Namibia zu holen, aber aufgrund unserer Verspätung und der zu erwartenden Dauer durch die Formalitäten an der lassen wir es doch bleiben. Wir fahren entlang des Chobe in Richtung Kasane. Überall können wir die Zerstörungsspuren der Elefanten erkennen. Der Chobe National Park beherbergt die größte Elefantenpopulation der Welt. Stellenweise sieht die Landschaft gespenstisch wie nach einem Atomkrieg aus: soweit das Auge reicht ist jeder Busch oder Baum auf eine maximale Höhe von 1,50 Meter gestutzt worden. Kein Wunder, daß Botswana (genau wie Zimbabwe) die Verträge zum Schutz der Elefanten, die ein Abschuß der Elefanten absolut verbieten würde, nicht unterschrieben hat. Ohne Culling ist dieses Land nicht am Leben zu erhalten. Der Grenzbereich des Chobe National Parks mit seinem Fluß ist eine wahre Augenweide Unzählige Tierherden (Impalas und Wasserböcke) tummeln sich auf dem Grünstreifen entlang des Flusses. Und erstmals begegnen wir häufiger Touristenfahrzeugen. Das erste Mal seitdem wir in Botswana sind. Vermutlich ist dies auf die Nähe zu Zimbabwe zurückzuführen. |
|
Karsten und ich sitzen auf dem Dach, während Moni fährt, und genießen die Aussicht.
Plötzlich bemerken wir ein gigantisches Krokodil (über 4 Meter lang) am Fluß
und halten an. Karsten und ich gehen etwas den Hang hinunter, um gute Fotos schießen
zu können. Das scheint dem Krokodil nicht so gut zu gefallen, denn es huscht ins
Wasser. Moni, die noch nach ihrer Kamera suchen mußte, kommt daher leider um ihr
Foto. Nicht ganz zu unrecht macht sie uns Vorhaltungen, daß wir das Krokodil
vertrieben hätten. Ich verspreche ihr einen Abzug zu schicken.
Als das Krokodil im Wasser verschwunden ist, bemerken wir, daß rund herum Bewegung in den Fluß kommt: es wimmelt nur so vor Krokodilen! Allerdings alle unter Wasser, so daß sie kein gutes Fotomotiv hergeben. |
|
Die Straßen sind zum Glück seit seit Kachekawbe deutlich besser geworden. Wir haben
vielleicht doch noch Chancen mit unserem Benzinvorrat bis Kasane zu kommen, wenn
die Straße weiterhin so gut bleibt.
Etwas später sehen wir auf der anderen Flußseite einen riesigen Schwarm weißer Vögel, den wir zunächst nicht einordnen können. Als wir näher kommen erkennen wir, daß es sich um Pelikane handelt! Wir fotografieren die Pelikane, als Karstens Kamera plötzlich zu spinnen beginnt. Er vermutet, daß es an den schwachen Batterien liegt und wechselt sie. Dadurch haben wir noch Gelegenheit ein paar Fischer bei der Arbeit zu beobachten, die gerade ihre Netze einbringen. ![]() Pelikankolonie ![]() Die übliche Elefantenattacke... Auf unserem Weg nach Serondela, unserem heutigen Etappenziel, sehen wir noch Marabus und Geier. Und natürlich weitere Elefanten... Einmal mehr bricht vor uns eine Elefantenherde (30-40 Tiere) aus dem Gebüsch hervor. Im Eiltempo sind sie vom Fluß hochgekommen. Vorsichtshalber fährt Moni erneut ein großes Stück rückwärts, um den Elefanten keine Angrifffläche zu bieten. Viel nützt das allerdings nicht, da durch das hohe Gebüsch die Sicht auf die Herde verdeckt ist und plötzlich brechen die Elefanten wieder direkt vor uns aus dem Gebüsch. Moni macht kurzen Prozeß und fährt einen halben Kilometer den Weg zurück, den wir gekommen sind um dort eine Abzweigung zum Fluß hinunter zu nehmen und direkt am Ufer entlang, und damit weg von den Elefanten, zu fahren. ![]() Plötzlich bricht eine ganze Elefantenherde mit 30-40 Tieren aus dem Gebüsch ![]() ![]() Zebramangusten Aber zunächst machen wir uns bereit für einen abendlichen Game Drive. Wir sind nun so nah an Kasane, daß mit dem Benzin in den Reservekanistern (40 Liter) problemlos bis zur nächsten Tankstelle kommen müßten. Unsere Haupttanks sind allerdings inzwischen restlos leer. Wir müssen also die Reservekanister in den Haupttank umfüllen. Ich klettere also aufs Dach, mache die Kanister los und reiche sie Karsten hinunter. Karsten nimmt den ersten Kanister und klopft den Verschluß auf. Nur, wie bekommen wir das Benzin nun in die Tanks? Ein Einfüllstutzen fehlt nämlich! Not macht erfinderisch und so reinigen wir eine der mitgenommenen Milchflaschen mit dem schwefligen Wasser und schneiden sie an einer der Längsseiten auf und trocken sie mit einem sauberen Tuch. Der mit einem Tuch umwickelte Flaschenhals paßt nun genau in die Tanköffnung. So können wir die aufgeschnittene Milchflasche als Einfüllstutzen benutzen und das Benzin umfüllen. ![]() Es kommt auf jeden Tropfen an Plötzlich, ehe wir es uns versehen, stehen wir mitten in einem Militärcamp. Wir packen natürlich sofort unsere Kameras weg, um damit diese nicht konfisziert werden und machen uns schleunigst auf den Rückweg. Die Soldaten grinsen uns hinterher. Als wir auf dem Rückweg, nur wenige hundert Meter vor Serondela, um eine Kurve fahren, sehen wir unsere Bekannte, die Südtiroler. Sie bedeuten uns leise zu sein und machen uns auf ein Gebüsch aufmerksam. Und siehe da: die drei Löwen vom Nachmittag liegen gut 10 Meter entfernt faul am Boden. Simone, die bei jedem Elefanten sofort Reißaus nimmt klettert in aller Seelenruhe von unserem Auto auf den Boden und klettert dann auf das Auto der Südtiroler, um einen besseren Blick zu haben. Wir beobachten sie verblüfft. ![]() Als die Elefanten auftauchen ergreifen die Löwen blitzschnell die Flucht Wir starten daraufhin wieder unsere Fahrzeuge und fahren in Richtung Camp, als mir einfällt, daß wir ja noch gar kein Feuerholz gesammelt haben. Daraufhin springt Simone sofort aus dem Wagen und dem "Befehl" Folge zu leisten. Moni starrt ihr mit offenem Mund hinterher und kann es kaum glauben: Nichts auf der Welt hätte sie dazu veranlassen können, jetzt das sichere Auto zu verlassen. Aber anscheinend hat Simone die Elefanten und die im Dunkeln wesentlich gefährlicheren Löwen schon längst wieder vergessen... Moni denkt mit Unbehagen daran, daß unser Camp ja nur ca. 200-300 Meter von der Lagerstelle der Löwen entfernt liegt und sie beschließt lautstark, daß sie ihren Wasserbedarf für heute schon gedeckt habe und das, obwohl sie kurz vorher noch über Durst geklagt hat. Aber die Furcht bei Nacht das Zelt verlassen zu müssen, um auf die Toilette zu gehen ist anscheinend stärker. |