Sonntag, 4. Oktober 1998
Frühmorgens beginnen wir mit den Vorbereitungen für den Ausflug in den Busch. Da wir nicht genau wissen, was wir im Shop tatsächlich kaufen und leihen müssen geht es drunter und drüber. Schließlich kommt einer unserer Guides und gibt uns die richtigen Tipps. Wir bekommen zwei Mokoros mit den dazugehörigen Guides (Doctor und Moitshepi) zugeteilt. Unser Gepäck wird gleichmäßig auf die beiden Mokoros verteilt und wir steigen schließlich auch noch ein. Ich teile mir eines mit Karsten (unser Guide ist Moitshepi) und das andere wird von Moni und Simone in Beschlag genommen. Unser Boot liegt deutlich tiefer im Wasser als das der Mädchen.
Ein Mokoro ist ein wackeliges Einbaumkanu, das nur sehr schwierig in der richtigen Position zu halten ist. Bereits minimale Schaukelbewegungen, ausgelöst durch minimale Gewichtsverlagerungen beim Fotografieren muß unser Guide gezielt ausgleichen. Keine leichte Aufgabe. Wir erhalten daher von unserem Guide mehrfach Ermahnungen uns ruhig zu verhalten.


Ganz schön wackelig so ein Mokoro

Wir gleiten - umschwärmt von stechenden Fliegen - zügig voran und erspähen am Ufer und auf den Schilf-Inseln vielerlei Vögel. Immer wieder entdecken wir auch aus blauem Kunststoff bestehende TseTse-Fliegenfalle.
Kurze Zeit später fahren wir mit unserem Mokoro unmittelbar an einem Krokodil vorbei. Schon etwas unheimlich, schließlich befindet sich der Bootsrand nur ca. 1,5cm oberhalb der Wasserlinie.

worauf der wohl wartet...

Die Landschaft ist herrlich. Langsam brennt die Sonne unangenehm heiß auf unsere Schenkel und wir bedecken die Beine mit bereitliegenden Handtüchern. Wir dürfen die Position ja nicht verändern, da das Mokoro sonst kentern würde.





Wir fahren durch ganze Seerosenfelder...

An einigen besonders flachen Stellen - um diese Jahreszeit ist gerade ziemlich niedriges Wasser - muß unser Guide aussteigen und das Boot durch das dichte Schilf und Seerosendickicht schieben. An einer Stelle schließlich ist es für uns vorbei: wir kommen nicht mehr vorwärts. Das Boot der Mädchen, das nicht so tief im Wasser liegt wie unseres, konnte diese Stelle problemlos nehmen, wir jedoch müssen zurückfahren und einen anderen Weg suchen. Da unser Mokoro nicht ganz dicht ist müssen wir auch immer wieder Wasser schöpfen.

Unterwegs im Mokoro

Nach mehrstündiger Fahrt kommen wir schließlich an unserem Ziel an. Einer der vielen Inseln im Okavango-Deltabereich. Weiter flußaufwärts können wir nicht mehr fahren, da Flußpferde den Fluß blockieren. An denen vorbei zu fahren wäre sicherer Selbstmord. Daher bauen wir hier unsere Zelte auf. Ach ja: die meisten tödlichen Unfälle mit Wildtieren in Afrika passieren mit Flußpferden!
Bis die größte Tageshitze vorbei ist halten wir Siesta, schreiben Postkarten und spielen Uno. In der hier herrschenden Hitze ist es unmöglich herumzulaufen.


Moni hat das ideale Mittel gegen ihre Rückenschmerzen gefunden: Eine Liege

Unsere Guides machen uns auf einen teilweise verfallenen Termitenhügel aufmerksam und warnen uns davor uns diesem zu nähern: Verlassene Termitenbauten sind beliebte Aufenthaltsorte von Schlagen und Spinnen - vorzugsweise natürlich die giftigen Sorten.

Schon bald stellt sich heraus, daß zwischen unseren beiden Guides nicht alles zum besten steht. Doctor verhält sich Moitshepi gegenüber sehr herablassend und besserwisserisch. Moitshepi, der der wesentlich nettere von beiden ist, ist darüber nicht sehr glücklich und zieht sich entsprechend von uns allen zurück.

Bevor wir abends auf unseren ersten Pirschgang in den Busch unternehmen erhalten wir noch mal eine Unterweisung, wie wir uns bei der Begegnung mit Wildtieren verhalten sollen:
  • Bei der Begegnung mit Flußpferden auf keinen Fall zwischen Flußpferd und Wasser kommen. Nichts machen, was das Flußpferd erschrecken könnte, eventuell auf einen Baum klettern.
  • Bei der Begegnung mit Elefanten in ein Gebüsch flüchten. Elefanten haben eine sehr empfindliche Haut und laufen nie in ein Gebüsch hinein.
  • Bei der Begegnung mit Kaffernbüffeln dagegen hilft ein Gebüsch gar nichts. Hier ist der einzige Ausweg möglichst schnell auf einen Baum zu klettern.
    Bei der Begegnung mit Löwen, langsam und ruhig rückwärts bewegend aus der Gefahrenzone gehen. Auf keinen Fall laufen.
  • Bei der Begegnung mit einem Leopard vermeiden diesem in die Augen zu sehen und von dem betreffenden Baum entfernen. Leoparden greifen nur sehr selten Menschen an. Wenn sie allerdings bemerken, daß sie entdeckt sind, dann springen sie einen aus dem Baum heraus an...
Gegen Abend, als die Temperaturen einigermaßen erträglich werden, gehen wir auf einen ersten Game Walk. Doctor übernimmt natürlich die Führung. Unter anderem sehen wir eine Schlange und getrocknetes Blut an einem Baumstamm, der darauf hinweist, daß vor kurzem ein Leopard in dieser Gegend etwas gerissen hat, daß er zum Verzehr in die Baumwipfel geschleppt hat.


Auf Du und Du mit dem Wild

Wir gehen immer dicht hintereinander, um Angriffe von Raubtieren möglichst zu vermeiden. Diese greifen nämlich hauptsächlich einzelne von der Herde abgesonderte Tiere an und nur selten Tiere in einer größeren Herde.

Erholung im Lager

Zurück im Camp sind wir derart verschwitzt und dreckig, daß wir den Wunsch äußern Baden zu gehen. Selbst die Mädchen haben ihre Angst vor Bilharziose und Krokodilen soweit verdrängt, daß sie einem Bad freudig entgegen sehen. Unter einem wunderschönen Sonnenuntergang am Schilfufer, keine 50 Meter von den Nilpferden entfernt, klettern wir ins Wasser. Dabei behalten wir auch ständig das Flußufer im Auge, damit wir keine grasenden Nilpferde übersehen. Moni fährt später zusammen mit Doctor im Mokoro raus auf den Fluß um unsere Wasservorräte aufzufrischen. Sie erzählt später, daß ihr dabei alles andere als wohl war und sie bei jedem Geräusch zusammenzuckte als sie die Flaschen zum Auffüllen ins Wasser tauchte. Immer in der Furcht ein Krokodil könnte sich ihr unauffällig genähert haben...

Später am Lagerfeuer erzählt Doctor afrikanische Märchen von Mr. Crock und Lady Zebra, während die afrikanische Nacht um uns zum Leben erwacht. Wir hören unsere Nachbarn, die Hippos, und das Geheule der Hyänen und erstmals auch das Brüllen von Löwen. Die Mädchen sind davon überhaupt nicht begeistert, da sie nachts mit größere Regelmäßigkeit auf Toilette gehen müssen und sie dabei keine große Lust darauf verspüren dabei irgendwelchen wilden Tieren zu begegnen. Gerade Löwen sind dafür bekannt, daß sie im Dunkeln alles anfallen, was ihnen vor die Füße läuft. Und da beruhigt es auch nur sehr wenig, daß Löwen, die man hört satt sind und nicht auf die Jagd gehen wollen. Denn ob der Löwe bei einer überraschenden Begegnung keine Ausnahme machen würde...

Nachts werden wir plötzlich von einem lauten scheppernden Geräusch wach. Wenig später hören wir auch noch das laute Geschrei von Doctor, mit dem er versucht irgend ein Tier zu vertreiben. Am nächsten Tag erzählt er uns, das er einen Honigdachs vertrieben hat, der den Topf mit den Resten unseres Abendessens gerade aus dem Lager schleiften wollte. Wozu zünden wir eigentlich nachts ein Lagerfeuer an, wenn die Tiere sich davon überhaupt nicht beeindrucken lassen?