Donnerstag, 1. Oktober 1998
Wie jeden Tag stehen wir auch heute wieder vor 6 Uhr auf - eine Uhrzeit, für die ich zu hause meinen Wecker erschlagen würde, würde er sich trauen zu läuten. Wir sind noch derart müde, daß wir eine Herde Gazellen, die um unser Auto herum äsen (wir halten sie im ersten Moment für Impalas) unfotografiert weiterziehen lassen. Nachdem wir zusammengepackt haben - diesmal geht es schon deutlich schneller, nur noch knapp eine Stunde bis zur Abfahrt - starten wir zu unserem ersten Game Drive und damit unserer Durchquerung der Kalahari.


Eine gut getarnte Echse

[Tiere: Schabracken-Schakal, Erdmännchen (dünner Schwanz), Bussard, Streifenhörnchen (dicker Schwanz) ...] Bei einem kurzen Zwischenstopp stellen wir fest, daß unser hinterer rechter Reifen etwas platt ist. Mit Hilfe der in unserem Auto eingebauten elektrischen Pumpe ist dem schnell abgeholfen, allerdings wird uns dieses Problem bis zum Ende unserer Reise bestehen bleiben, so daß sich das Aufpumpen dieses Reifens in die morgendliche Routine mit eingebunden wird. Während des Aufpumpens bemerken wir eine ca. 2 Meter lange schwefelgelbe Schlange, die sich in beeindruckendem Tempo - etwas mehr als normale Schrittgeschwindigkeit - voranbewegt.


Während eines Zwischenstopps stolpern wir fast über diese Cape Cobra

Wir stürzen sofort in den Wagen, um unsere Kameras zu holen und laufen dann der Schlange hinterher, um sie zu fotografieren. Da wir alle keine Schlangenexperten sind und auch Moni, die in Australien bereits einige Exemplare gesehen hatte diese Schlange nicht einordnen konnte, nähern wir uns ihr sicherheitshalber nicht zu sehr. Ein paar Tage später in Oddballs im Okavangodelta fällt uns dann ein Buch über afrikanische Schlangen in die Hand und es gelingt uns dieses Exemplar zu identifizieren: es handelt sich um eine Cape Cobra. Laut diesem Buch die gefährlichste Kobra-Art. Sie tötet bei einem Biss durch ihr nerventoxisches Gift, das innerhalb weniger Sekunden zur Atemlähmung führt. Da hilft keine Sofortmaßnahme mehr...


Eine Oryx-Antilope flüchtet, als sie uns bemerkt

Perlhühner und anderes Gefieder bevölkert das Gebüsch; so auch u.a. die Schimpfenten, welche Moni und ich so titulieren, da sie uns mit ihrem 'Gemotze' beim Wegfliegen tüchtig auf den Keks gehen.

Wir sehen auch einen Schakal, der ein Tier von der Größe eines Dachses jagt und erlegt. Leider haben wir dabei natürlich unsere Kameras nicht schussbereit.

In der brütenden Hitze sitzen Moni und ich auf dem Dach während Simone fährt. Gut festhalten muß man sich dabei an den Reservekanistern oder an der Verpflegungskiste, damit man nicht herunterfällt, denn bei bis zu 40 km/h und Schlaglöchern auf der Piste würde ein runtersegeln der Gesundheit nicht unbedingt zuträglich sein. Wir genießen den Fahrtwind und die herrliche afrikanische Landschaft in vollen Zügen. Am Abend werde ich dann feststellen, daß ich mir einen leichten Sonnenbrand eingefangen habe.

Da die Sunday Pan als Schlafplatz bereits von 2 Touristenjeeps besetzt ist, halten wir dort nur kurz an. Karsten und Moni schleichen sich zusammen langsam an eine künstlich angelegte Wasserstelle an, um ein dort trinkendes Kudu-Männchen aus nächster Nähe fotografieren zu können. Wie sich herausstellt ist diese übertriebene Vorsicht unnötig, da sich das Tier von den beiden nicht weiter stören läßt.

Wir schlagen unsere Zelte schließlich in der Leopards Pan auf und für wir nutzen die Zeit um die Tagebücher auf den neuesten Stand zu bringen. Außerdem testen wir erstmalig unsere Felddusche: einen 5-Liter Wassersack mit schlauch und einer Brause ähnlich einer Kindergießkanne. Zum Abendessen machen wir Spagetti.

Wir sammeln größere Mengen Holz in der Umgebung des Camps und machen ein schönes großes Lagerfeuer, bei dem wir noch lange gemütlich zusammensitzen.


Übernachtung an der Leopards Pan

Moni schläft in der Nacht praktisch nicht, da sie sich inzwischen Simone's Erkältung geholt hat. Die beiden haben ab jetzt einen enormen Verbrauch an Kleenex und Toilettenpapier. Nachts um 4:30 Uhr gehen die beiden gemeinsam auf die Toilette und Moni entdeckt das Southern Cross, ein Sternbild, daß sie bereits von ihrer Australienreise her kennt. Für längere Betrachtungen ist es den beiden dann aber doch zu unheimlich...